Archive for the ‘International’ Category

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Von Riesen und Menschen

In International on Oktober 10, 2009 von carnica

Nordirland stellt sich seiner Geschichte – auch touristisch. Doch das Land bietet mehr als bloß Revolutionsfolklore.
Reisebericht für die Kleine Zeitung.
Samuel McLaughlin hieß der arme Teufel. Für die irischen Katholiken war er ein Freiheitskämpfer, für die britischen Protestanten nicht mehr als ein lausiger Terrorist. Viel weiß man nicht von ihm, nur dass er 1961 als einer der Letzten im berüchtigten Belfaster Gefängnis „Crumlin Road“ am Strang starb. Seine Leiche sollte, so lautete die erbarmungslose Vorschrift, an einem unbekannten Ort neben der Gefängnismauer verscharrt werden. Doch ein protestantischer Gefängniswärter leistete zivilen Ungehorsam: In krakeliger Schrift ritzte er die Initialen des Toten in die Mauer, wo man sie noch ein halbes Jahrhundert später mit ein wenig Phantasie erkennen kann. „Auch hinter Gitterstäben gibt es etwas wie Menschlichkeit“, sagt Liam Barr.
Der nordirische Regierungsbeamte leitet ein Projekt, das man in Österreich wohl mit Vergangenheitsbewältigung umschreiben würde. Nicht nur, dass er geschichtsinteressierte Besucher durch die gespenstischen Stätten des 1996 geschlossenen Polit-Gefängnisses schleust und damit seinen Beitrag zur Aufarbeitung des IRA-Konflikts leistet. Er will im ehemaligen Gefängnis- und Regierungsviertel Crumlin Road mittelfristig Gemeindewohnungen errichten lassen, in denen beide Konfessionen Tür an Tür wohnen. Keine Selbstverständlichkeit in Belfast Anno 2009: Noch immer gibt es getrennte Schulen, Kindergärten, Pubs. Noch immer riegeln meterhohe Zäune Problemviertel voneinander ab. Diese „Friedenslinien“ sind das hässlichste Überbleibsel des Nordirlandkonflikts. Die allgegenwärtigen „murals“ – farbenprächtige Graffiti mit Revolutionsfolklore – sind hingegen mittlerweile eine Attraktion, die in keinem Touristenführer fehlt. Mit bemerkenswerter Offenheit stellt sich die Stadt ihrer Vergangenheit: Im schwarzen Taxi kann man sich auf „History-Tour“ zu den Schauplätzen der IRA-Attentate begeben. Jeder Straßenzug ist politisch aufgeladen.
Wenige Autostunden weiter nördlich erinnert nichts, aber auch gar nichts an die nationalen Sprengsätze, die Nordirland jahrzehntelang in die Schlagzeilen gebracht haben. Beschauliche Provinzidylle, gänzlich unpolitisch: Endlos weite Schafweiden prägen hier das Bild, umrahmt von verwitterten Steinmauern. Die Gegend ist dünn besiedelt, Dörfer tragen freundliche Namen wie Ballycastle, Ballymena oder Ballymoney.
Liebestoller Riese
Wir erreichen Portrush am nördlichsten Zipfel der Insel. Ein Kurstädtchen an der Atlantikküste. Laut ist nur die See, die sich an grob in den Fels gehauenen Hafenanlagen bricht. Portrush lädt den Besucher zur kurzen Entschleunigung, um ihn kurz darauf weiterzuschicken auf eine spektakuläre Reise zum „Giant’s Causeway“, zum Damm des Riesen. An die 40.000 gleichförmig sechseckige Basaltsäulen bilden eng aneinander geschmiegt eine weltweit einzigartige Gesteinsformation, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Geformt von einem riesigen Lavafluss, der vor Abermillionen Jahren gleichmäßig erkaltet ist. Das behauptet zumindest die Wissenschaft. Die Legende widerspricht hingegen – die Wahrheit sei eine andere, viel charmantere: Der Causeway soll in grauer Vorzeit von einem liebestollen Riesen namens Fion mac Cumhaill errichtet worden sein, damit er trockenen Fußes über das Meer zu seiner Angebeteten gelangen kann. Ob er erhört wurde? Darüber schweigt sich der Volksmund aus. Man will ja schließlich nicht tratschen.
Nordirland stellt sich seiner Geschichte – auch touristisch. Doch das Land bietet mehr als bloß Revolutionsfolklore.
Reisebericht für die Kleine Zeitung.
Samuel McLaughlin hieß der arme Teufel. Irischen Katholiken galt er als Freiheitskämpfer, den britischen Protestanten war er nicht mehr als ein lausiger Terrorist. Viel weiß man nicht von ihm, nur dass er 1961 als einer der Letzten im berüchtigten Belfaster Gefängnis „Crumlin Road“ am Strang starb. Seine Leiche sollte, so lautete die erbarmungslose Vorschrift, an einem unbekannten Ort neben der Gefängnismauer verscharrt werden. Doch ein protestantischer Gefängniswärter leistete zivilen Ungehorsam: In krakeliger Schrift ritzte er die Initialen des Toten in die Mauer, wo man sie noch ein halbes Jahrhundert später mit ein wenig Phantasie erkennen kann. „Auch hinter Gitterstäben gibt es  Menschlichkeit“, sagt Liam Barr.
Der nordirische Regierungsbeamte leitet ein Projekt, das man in Österreich wohl mit Vergangenheitsbewältigung umschreiben würde. Nicht nur, dass er geschichtsinteressierte Besucher durch die gespenstischen Stätten des 1996 geschlossenen Polit-Gefängnisses schleust und damit seinen Beitrag zur Aufarbeitung des IRA-Konflikts leistet. Er will im ehemaligen Gefängnis- und Regierungsviertel Crumlin Road mittelfristig Gemeindewohnungen errichten lassen, in denen beide Konfessionen Tür an Tür wohnen. Keine Selbstverständlichkeit in Belfast Anno 2009: Noch immer gibt es getrennte Schulen, Kindergärten, Pubs. Noch immer riegeln meterhohe Zäune Problemviertel voneinander ab. Diese „Friedenslinien“ sind das hässlichste Überbleibsel des Nordirlandkonflikts. Die allgegenwärtigen „murals“ – farbenprächtige Graffiti mit Revolutionsfolklore – sind hingegen mittlerweile eine Attraktion, die in keinem Touristenführer fehlt. Mit bemerkenswerter Offenheit stellt sich die Stadt ihrer Vergangenheit: Im schwarzen Taxi kann man sich auf „History-Tour“ zu den Schauplätzen der IRA-Attentate begeben. Jeder Straßenzug ist politisch aufgeladen.
Wenige Autostunden weiter nördlich erinnert nichts, aber auch gar nichts an die nationalen Sprengsätze, die Nordirland jahrzehntelang in die Schlagzeilen bugsiert haben. Beschauliche Provinzidylle, gänzlich unpolitisch: Endlos weite Schafweiden prägen hier das Bild, umrahmt von verwitterten Steinmauern. Die Gegend ist dünn besiedelt, Dörfer tragen freundliche Namen wie Ballycastle, Ballymena oder Ballymoney.
Wir erreichen Portrush am nördlichsten Zipfel der Insel. Ein Kurstädtchen an der Atlantikküste. Laut ist nur die See, die sich an grob in den Fels gehauenen Hafenanlagen bricht. Portrush lädt den Besucher zur kurzen Entschleunigung, um ihn kurz darauf weiterzuschicken auf eine spektakuläre Reise zum „Giant’s Causeway“, zum Damm des Riesen. An die 40.000 gleichförmig sechseckige Basaltsäulen bilden eng aneinander geschmiegt eine weltweit einzigartige Gesteinsformation, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Geformt von einem riesigen Lavafluss, der vor Abermillionen Jahren gleichmäßig erkaltet ist. Das behauptet zumindest die Wissenschaft. Die Legende widerspricht hingegen – die Wahrheit sei eine andere, viel charmantere: Der Causeway soll in grauer Vorzeit von einem liebestollen Riesen namens Fion mac Cumhaill errichtet worden sein, damit er trockenen Fußes über das Meer zu seiner Angebeteten gelangen kann.
Ob er erhört wurde? Darüber schweigt sich der Volksmund aus. Man will ja schließlich nicht tratschen.
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Putin, Kampfschlumpf

In International on April 8, 2009 von carnica

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Zores mit Gas

In International on Januar 8, 2009 von carnica

(c) Rainer Sturm/Pixelio

(c) Rainer Sturm/Pixelio

Wer im Zusammenhang mit den Gas-Streitigkeiten zwischen Russland und der Ukraine nach Informationen sucht, die mehr sind als heiße Luft, ist bei Gehard Mangott gut aufgehoben.
Der mediengewandte Politologe und Russland-Experte führt (nicht nur dazu) ein äußerst aufschlussreiches Weblog.

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Post an Google

In International on Januar 8, 2009 von carnica

Betreff: Suchanfragen

Sehr geehrtes Google,

wäre es möglich, Leute die den Suchbegriff „Israel ist Scheiße“ tippen, bitte nicht auf meine Seite zu verbinden? Mir sind antisemitische Besucher nämlich sehr unangenehm.

Mit freundlichen Grüßen,

W. R.

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Zensur light auf youtube

In International on Januar 6, 2009 von carnica

Gut, ein cineastisches Meisterwerk ist sie nicht, die Videopräsentation „What  really happened in the Middle East“. Empfehlenswert ist der rund zehnminütige Film dennoch, der – basierend auf einem Essay von David Horovitz – mit populären Irrtümern zum Nahostkonflikt aufräumt. Aus israelischer Sicht, selbstredend. Beispiele?

  • Es stimmt nicht, dass die geistigen Führer Palästinas nichts mit dem Holocaust zu tun hatten. Im Gegenteil: Etliche von ihnen (wie der Großmufti von Jerusalem) waren wichtige Handlanger Hitler und planten, den Genozid an den Juden auch im mittleren Osten weiterführen – was durch den Sieg der Allierten verhindert wurde.
  • Es stimmt nicht, dass das heutige Israel den Arabern gestohlen wurde. Vielmehr war der mehr als dürftig besiedelte Landstrich Teil des osmanischen Reiches und stand nach dessen Zusammenbruch unter Kuratel der Staatengemeinschaft. Der Großteil des Gebietes (darunter das heutige Jordanien) wurde den Palästinensern zugestanden. Was die arabische Liga nicht daran hinderte, Israel sofort nach dessen Gründung den Krieg zu erklären, mit dem Ziel, den Judenstaat im Meer zu versenken.

Der Film ist einigermaßen propagandistisch aufgemacht, alle präsentierten Fakten halten aber der Überprüfung statt. Umso mehr verwundert, dass Youtube das Video für problematisch hält.

Dieses Video bzw. diese Gruppe enthält möglicherweise Inhalte, die für einige Nutzer unangemessen sein können, und wurde daher von der YouTube-Community gemeldet

heißt es dort. Wer den Film sehen will, muss einen Altersnachweis erbringen.

Damit du dieses Video oder diese Gruppe anzeigen kannst, musst du bestätigen, dass du mindestens 18 Jahre alt bist, indem du dich anmeldest oder ein Konto erstellst.

Was der Unsinn soll, bleibt ein Rätsel. Das Forum ist hiermit für Interpretationen geöffnet.

Und hier kann man sich den Film „anonym“ ansehen.

Nachtrag: Nicht unter den youtube-Jugendschutzbann fällt dieses Video, bei dem eine israelische Flagge angezündet wird.

Der Untertitel lautet:

„Fick dich Israel .. Hizbollah & Libanon werden Israel auslöschen.“

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Krieg ist Scheiße

In International on Dezember 29, 2008 von carnica

Lindwurm wird dieser Tage nicht müde, mit flammenden Apellen den israelischen Angriffen auf Gaza das Wort zu reden. Der von mir höchst geschätzte Wurm hat gute Argumente: Das Selbstverteidigungsrecht Israels angesichts jahrelangen Bombardements sollte unstrittig sein. Das jüdische Volk, die Knesset haben lange Geduld und Kompromissbereitschaft bewiesen – von palästinensischer Seite weitgehend unbedankt. Als Östereicher, Europäer bleibt es uns unvorstellbar, von Nachbarn umgeben zu sein die unserem Staat nach der Existenz trachten: Hamas hat sich bekanntlich, befeuert vom große Bruder Iran immer noch die Auslöschung Israels und seiner (jüdischen) Bewohner auf die Fahnen geheftet:

Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!

aus der „Charta“ der Hamas.

Ein Blick auf  – nota bene: englischsprachige – Internet-Foren arabischer Zeitungen lässt den Leser erschauern. Der Lindwurm weist auch zurecht darauf hin, dass in dieser Ecke der Erde Israel die einzige Demokratie besitzt, die dieses Prädikat verdient – im Hinblick auf Faktoren wie die Rechtsstaatlichkeit oder die Einhaltung der Menschenrechte.

Ich gehe also weitgehend mit dem Lindwurm – der hier stellvertretend für die israelsolidarische Blogger-Gemeinde steht – d’accord. Ein einziges naives Korrektiv möchte ich hinzufügen, weil ich so lange vergeblich danach in diesen Blogs gesucht habe.

Krieg ist Scheiße. Ob gut oder böse, ob gefährlich oder harmlos; jeder Tote ist ein Skandal. Wie immer man es dreht und wendet, was immer die Ursachen und Ziele sind. Krieg bleibt Scheiße und die israelfreundliche europäische und amerikanische Öffentlichkeit (zu der ich mich zähle) darf sich nicht einreden dass diese Scheiße ein genießbares Gericht sei.