Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

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Widerwärtig

In Österreich,Gesellschaft on Januar 10, 2010 von carnica

In aller Kürze: Maria Fekter hat bei dem Versuch, ein notwendiges drittes Erstaufnahmezentrum zu errichten, grandios versagt. Die Geister, die Fekter (et. al.) rief, wird sie nicht mehr los. Jene irrationale Abwehrhaltung gegen Flüchtlinge, der sie mit ihren Worten und Taten seit Jahr und Tag Vorschub leistet, vermag die dilletierende Innenministerin nicht mehr zu bändigen. Das allein würde – politischen Anstand vorausgesetzt – einen Rücktritt fordern. Wenn sie nun aber glaubt, der von ihr (mit-)verursachten, misanthropen  Diskussion über ein neues Asylzentrum einen neuen Spin geben zu können, indem sie Flüchtlingen das Menschenrecht auf Freiheit abspricht (und zwar mit dem besonders perfiden Bauchgefühl-Argument) schlägt sie dem Fass den Boden aus. Dass unbescholtene Asylwerber wegen Fekters Unfähigkeit interniert werden sollten, ist an Menschenverachtung  nicht zu überbeiten.

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E-Books? Nein, danke!

In Gesellschaft,Medien on April 2, 2009 von carnica

Technik-Afficinado Georg Holzer ist verwundert. Noch. Verwundert ist mein Freund Georg, weil er sich als (mutmaßlich) erster Kärntner um teures Geld das heute auf den Markt geworfene Sony PRS-505 E-Book (soll heißen: superurmegamodernes Computer-Buch was alle Stücke spielt) gekauft hat und das außer ihm „scheinbar keiner cool findet“.  Noch,  weil sich das zweifellos früher oder später ändern wird. Leider!

Indes: Diesmal werde ich der Technik nicht auf den Leim gehen. Bei aller Wertschätzung für den besten Hightech-Journalisten des Landes, aber diesmal bin ich immun, denn ich liebe Bücher, richtige Bücher.

Die so genannte technologische Revolution wird diesmal nicht meinen selbst verschuldeter Unmündigkeit geschuldeten Freifahrtsschein bekommen wie damals, als schnelle Laptops schwerfällige Schreibmaschinen vertrieben haben, Compact Discs Vinyls,  MP3s Musikkasetten, Handys Festnetztelefone, GPS-Navigatoren Landkarten,  MMS Ansichtskarten, ID-Cards mit Fingerprint zernudelte Reisepässe.  Et cetera, et cetera.

Diesmal nicht. Mein kleines Gegenargument ist die an Walter Benjamin schlampig angelehnte, nicht zu Ende gedachte, geschweige denn ausformulierte Sorge um die Verdödung  der Kultur im Zeitalter ihrer schleichenden Reduktion auf technische Perfektion und Konsumierbarkeit. Noch jede erwähnte technische  Innovation hat mir die transportierten Inhalte ununterscheidbarer, geschmack- und geruchloser, geheimnisloser, meinetwegen makel- und fehlerloser gemacht. Aber Fehlerlosigkeit ist mir zuwider. Fehllerlosigkeit ist spießig, streberhaft und unerotisch.

Mein großes Gegenargument ist handfester, persönlicher: Noch jede Neuerung hat mir unter dem Vorwand der Zeitersparnis Zeit genommen, hat mich mit Freiheitsversprechen meiner Freiheit beraubt (das ist bisschen so wie mit Banken, die uns irgendwelche Fonds mit Lehmann-Bank-Kapitalgarantie angedreht haben: „Alles andere wäre unvernünftig!“). Und ich weiß, von was ich rede, denn ich bin ein Informations-Junkie, der so süchtig ist, dass er schon am Vormittag gleich nach dem Aufstehen inhaliert, manchmal sogar straight vom Handy. Aber bei den Büchern ist Schluss, das ist eine Frage der Selbstachtung. Rational, irrational, scheißegal!

So – und jetzt geh ich weiterlesen. Wen´s interessiert: „The Peaceful Kingdom“, eine Kurzgeschichtensammlung der hierzulande wenig bekannten, wunderbaren Francine Jordan, erschienen bei Owl Books. Keine Ahnung, obs das als E-Book oder bei Amazon gibt. Ist mir egal. Ich habs in einem winzigen, herrlich vermieften Buchladen in einer Seitengasse in Belfast gefunden. Eine gestrichene Stunde lang ziellos gestöbert, dann zufällig zu diesem Kleinod (nebst einigen anderen) gegriffen. Von Buchhändler in unverständlichem aber sympathischem Englisch bequasselt geworden.  Kaffee serviert bekommen. Hat sich verdammt gut angefühlt.