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Tu felix Austria… Lächle!

In Uncategorized on April 15, 2009 by carnica

Es ist schon zwei Wochen oder so her, dass die sich selbst als „Milch-Koalition“ inszenierende orange-schwarze Kärntner Arbeitsübereinkunft ihr Regierungsprogramm vorlegt hat. Es gibt darin ein besonders ausführliches Kapitel, das sich mit einer „Singoffensive beschäftigt: damit die jungen Leute mehr Volkslieder singen. Mit derlei provinziellem Firlefanz will man wohl Heimatbewusstsein demonstrieren. Meinetwegen.Im Regierungsprogramm findet sich aber auch ein Mini-Kapitel das sich mit den katastrophalen Landesfinanzen beschäftigt: Zieht man die an Maastricht vorbeigeschummelten, außerbudgetären Kredite  hinzu, sind die Landesfinanzen deutlich höher als das jährliche Budget. Was sagt die Regierung dazu? Nix Problema, machma „moderate Neuverschuldung“. Wie war noch der Wahlslogan der Schwarzen? „Besser  wirtschaften“? Leilei.

Aber Kärnten ist nur die Spitze des Eisberges. Oder – wie es eine politische Beobachterin sinngemäß formulierte: Die kleine Bühne, auf der Österreich die Probe hält. Denn was Martinz und Dörfler in Kärnten wegjodeln, wird in Wien weggelächelt. Finanzkrise ist? Wurscht, sagen Faymann und Pröll. Ob es ihm keine Kopfzerbrechen macht, dass österreichische Banken im kollabierenden Südosteuropa-Markt Außenstände in der Höhe von 300 Millarden Euro haben, wollte der deutsche Spiegel von Faymann wissen. Iwo, kampflächelt der Kanzler. Nix Problema.

„Ich bin überzeugt davon, dass diese Länder nach der Krise wieder die höchsten Wachstumsraten haben werden.

Wenige Tage später besucht Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugmann Wien und redet Tacheles:

Is Austria doomed? Of course not. It’s not as outrageously leveraged as Iceland, or even Ireland. But it may need a bank bailout that will seriously strain the country’s resources. So what I said at the event — that after those two, it’s probably the advanced country at most risk from the financial crisis — shouldn’t even be controversial.

Österreich stehe kurz vor der Staatspleite. Was sagt der schwarze Vize Pröll? Haltet den Dieb!

Es sei beschämend, welcher „Wirtschaftskrieg“ auf dem Rücken des Finanzstandorts Österreich ausgetragen werde. „Glatt falsch“ sei Krugmans Analyse. Aus dem Mund eines Nobelpreisträgers sei das sogar grob fahrlässig.

Schuld sind die Ausländer, eh klar. Während der Rest der Welt mit gebannten Augen auf Österreich blickt, wagt es hierzulande niemand, das Wort „Krise“ auch nur in den Mund zu nehmen. Und der Staatsfunk macht brav mit und berichtet über den Unwillen der Lehrergewerkschaft längere Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Als ob das irgend jemand in der Privatwirtschaft ernsthaft interessieren würde.

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