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E-Books? Nein, danke!

In Gesellschaft, Medien on April 2, 2009 by carnica

Technik-Afficinado Georg Holzer ist verwundert. Noch. Verwundert ist mein Freund Georg, weil er sich als (mutmaßlich) erster Kärntner um teures Geld das heute auf den Markt geworfene Sony PRS-505 E-Book (soll heißen: superurmegamodernes Computer-Buch was alle Stücke spielt) gekauft hat und das außer ihm „scheinbar keiner cool findet“.  Noch,  weil sich das zweifellos früher oder später ändern wird. Leider!

Indes: Diesmal werde ich der Technik nicht auf den Leim gehen. Bei aller Wertschätzung für den besten Hightech-Journalisten des Landes, aber diesmal bin ich immun, denn ich liebe Bücher, richtige Bücher.

Die so genannte technologische Revolution wird diesmal nicht meinen selbst verschuldeter Unmündigkeit geschuldeten Freifahrtsschein bekommen wie damals, als schnelle Laptops schwerfällige Schreibmaschinen vertrieben haben, Compact Discs Vinyls,  MP3s Musikkasetten, Handys Festnetztelefone, GPS-Navigatoren Landkarten,  MMS Ansichtskarten, ID-Cards mit Fingerprint zernudelte Reisepässe.  Et cetera, et cetera.

Diesmal nicht. Mein kleines Gegenargument ist die an Walter Benjamin schlampig angelehnte, nicht zu Ende gedachte, geschweige denn ausformulierte Sorge um die Verdödung  der Kultur im Zeitalter ihrer schleichenden Reduktion auf technische Perfektion und Konsumierbarkeit. Noch jede erwähnte technische  Innovation hat mir die transportierten Inhalte ununterscheidbarer, geschmack- und geruchloser, geheimnisloser, meinetwegen makel- und fehlerloser gemacht. Aber Fehlerlosigkeit ist mir zuwider. Fehllerlosigkeit ist spießig, streberhaft und unerotisch.

Mein großes Gegenargument ist handfester, persönlicher: Noch jede Neuerung hat mir unter dem Vorwand der Zeitersparnis Zeit genommen, hat mich mit Freiheitsversprechen meiner Freiheit beraubt (das ist bisschen so wie mit Banken, die uns irgendwelche Fonds mit Lehmann-Bank-Kapitalgarantie angedreht haben: „Alles andere wäre unvernünftig!“). Und ich weiß, von was ich rede, denn ich bin ein Informations-Junkie, der so süchtig ist, dass er schon am Vormittag gleich nach dem Aufstehen inhaliert, manchmal sogar straight vom Handy. Aber bei den Büchern ist Schluss, das ist eine Frage der Selbstachtung. Rational, irrational, scheißegal!

So – und jetzt geh ich weiterlesen. Wen´s interessiert: „The Peaceful Kingdom“, eine Kurzgeschichtensammlung der hierzulande wenig bekannten, wunderbaren Francine Jordan, erschienen bei Owl Books. Keine Ahnung, obs das als E-Book oder bei Amazon gibt. Ist mir egal. Ich habs in einem winzigen, herrlich vermieften Buchladen in einer Seitengasse in Belfast gefunden. Eine gestrichene Stunde lang ziellos gestöbert, dann zufällig zu diesem Kleinod (nebst einigen anderen) gegriffen. Von Buchhändler in unverständlichem aber sympathischem Englisch bequasselt geworden.  Kaffee serviert bekommen. Hat sich verdammt gut angefühlt.

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2 Antworten to “E-Books? Nein, danke!”

  1. @Topic: Jedem das seine und dir das deine! 😉

    @Anekdote: Nett (-;

  2. Die Verblödung unterschreib ich dir zwar nicht (es soll ja auch bei der Entstehung der Schrift geheißen haben, die Menschen würden verblöden, weil sie sich nichts mehr zu merken bräuchte und alles aufschreiben können), aber ansonsten bin ich ganz auf deiner Seite. Ich mag meine Bücher, so richtig schwarz auf weiß. Ich mag schöne Buchcover. Ich liebe auch Taschenbücher. Vor allem Taschenbücher. Ich liebe das Umblättern und schüttle den Kopf über Leute, die statt eines Lesezeichens Eselsohren in ihre Bücher machen.
    Liebe Grüße aus Wien,
    Kathiza

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