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Das musste raus

In Uncategorized on Oktober 25, 2008 by carnica

Höchste Zeit wird’s, was zu schreiben. Sonst zürnt Zuchtmeister Lindwurm und verhängt die blogosphärische Höchststrafe.

Nun denn. „Das musste raus“, schrieb ein anonymer Poster auf willkommen-tv.at. Das ist das Internetportal der in diesen Tagen besonders heftig gescholtenen ORF-Satiresendung „Willkommen Österreich“. Dirk Stermann und Christoph Grissemann haben sich in der Sendung etwas brachial über den Kult rund um den verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider lustig gemacht.

Grissemann: Mittlerweile spricht man in Kärnten über Wunder und Erscheinungen, angeblich ist vorgestern Jörg Haider drei slowenischen Hirtenkindern erschienen.
Stermann: Was? Und?
Grissemann: Abgeschoben!
Stermann: Ehrlich?
Grissemann: Ja, selbstverständlich. Und Jörg Haider hat angeblich auch zu einer Kärntner Jungfrau gesprochen. Aus einer brennenden Ortstafel heraus!

Ist das lustig? Ja, ist es! Gleich zu Beginn der Sendung, als die beiden auf die Bühne traten, Stermann im Kärntner Anzug, tobte der Saal. Als ob eine kollektive 14-tägige Verstopfung – „Pietät“ genannt – innerhalb einer Sekunde abgegangen wäre. Danke Stermann. Danke Grissemann. Es ist wieder erlaubt zu lachen – wenn sich Haider-Adlatus Stefan Petzner unter Tränen über die „Kriminalisierung“ Jörg Haiders (eh wissen: 1,8 Promille, 170 km/h) empört. Derselbe Petzner hatte wenige Wochen zuvor mit bewusst an die Rhetorik  einer zum Glück seit über 60 Jahren verbotenen Partei angelehnten Aussagen unbescholtene Asylwerber als Kriminelle bezeichnet, deren Abtransport in eine „Sonderanstalt“ er gemeinsam mit seinem Lebensmenschen Jörg Haider in Auftrag gegeben hatte. Man darf lachen. Die immer noch unbescholtenen Flüchtlinge werden sich in ihren Lavanttaler Verbannung zu Recht auf die Schenkel geklopft haben – so es ihnen erlaubt wurde, fern zu sehen.

Der Kärntner BZÖ-Chef unterstellt der SPÖ eine „unqualifizierte Beschmutzung“ Jörg Haiders „nur  14 Tage seitdem er tot ist“. Die SPÖ hatte einen Kassasturz eingefordert. Man darf darüber lachen, dass dem BZÖ, dessen Übervater Kärntnen die mit Abstand größte Pro-Kopf-Verschuldung aller österreichischen Bundesländer eingebrockt hat, kein anderes Argument einfällt. Und man darf das pietätlose Spiel mit der Pietät als das bezeichnen, was es ist: lächerlich.

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2 Antworten to “Das musste raus”

  1. ein Schüttelreim:

    Aufmarsch der Soldaten auf Jörgis Begräbnis

    „Auf ihr Recken! Grad steh ma!
    Wir sind hier nicht im Stadtkraemer“

  2. …doch Jörgi musste weiterhetzen
    und in der Szenekneipe heiter wetzen

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