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Schüssel in Rot

In Uncategorized on September 25, 2008 by carnica

Umfragen sind uninteressant. Faymann wirds, denke ich. Er ist gegenwärtig der einzige Akteur in der östereichischen Polit-Arena, der dem nunmehrigen schwarzen Klubchef in dessen Liga zumindest ebenbürtig ist. Wie Schüssel hat er die zielungerichtete Sehnsucht der Bevölkerung nach einem Paukenschlag ausgenutzt, um sich per kalkuliertem Tabubruch nach oben zu putschen. Bei Schüssel war es die Koalition mit der FPÖ, Faymann verbindet sich mit der Krone und ändert den bislang in Stein gemeißelten EU-Kurs der Sozialdemokratie. Damit hat er die ÖVP gezwungen, „Es reicht“ zu sagen und Neuwahlen auszurufen. Ob Molterer tatsächlich einen Augenblick lang geglaubt hat, das Ruder des Handelns in die Hand zu nehmen? Der Arme sieht fahl aus. Er gibt sich redlich Mühe und will alles richtig machen. Damit wird in Österreich keine Wahl gewonnen. In der ÖVP muss Krisenstimmung herrschen, Schüssels Schweigen ist beredt.

Zurück zu Faymann. Kritik (auch) aus den eigenen Reihen perlt an ihm, dem Teflon-Mann, ab. Er pfeift auf parteiinterne Demokratie und macht was er für adäquat hält. Diese schmallippige Pragmatismus bringt ihm wenige Sympathiepunkte, aber Anerkennung. Er will kein Obama sein, sagt er im Presse-Interview. Aber er anverwandelt sich den Obama-Schmäh mit kühler Berechnung, wie die (strategisch genialen) Wahlplakate zeigen: „Genug gestritten“. Das exakt ist es, was der kleinformatige Boulevard hören will, der sich für komplizierte Zusammenhänge demonstrativ nicht interessiert. Politik sei die Kunst des beharrlichen Bohrens harter Bretter? Iwo, erklären Sie das einem Fabriksarbeiter nach der Schicht beim Abstecher im Stammbeisl. Der pfeift im Übrigen auf die Werte der Arbeiterbewegung und wählt jene Partei, die ihm am glaubwürdigsten eine Verbesserung seiner persönlichen Lebenssituation verspricht und ihm einfache Antworten anbietet. Was nicht ersprießlich, aber aus seiner Sicht nachvollziehbar ist.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Politik in erster Linie von PhilosophInnen und in zweiter Linie von HandwerkerInnen betrieben werden sollte. Nicht von Staubsaugervertretern und Machiavellisten.

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