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In Uncategorized on September 25, 2008 by carnica

Distanziert betrachtet: Jörg Haider hat eigentlich nichts mehr zu sagen. Mit ihm ein Interview zu führen ist eine mühsame und langatmige Angelegenheit. Über weite Strecken beklagt er sich über Kärntner Medien, denen er gar nicht mehr unterstellt, die Unwahrheit zu sagen. Nein, er wirft ihnen vor, zu wenig patriotisch zu sein und merkt nicht, dass ihm niemand zuhört. Er spricht vom Kärntner Weg und meint damit kostenlosen Halbtagskinderkarten (von der ÖVP erfunden, mit der SPÖ zunächst gegen seinen Willen eingeführt) oder die Kärntner Mindestsicherung (der er widerwillig zustimmen musste, um sich das SPÖ-Ja zu seinem Budgetentwurf zu erkaufen). Sein Wahlziel: Er will über vier Prozent bundesweit kommen, vielleicht acht Prozent. Zur Erinnerung: Der Mann war einmal auf den Titelseiten aller großen internationalen Medien von Sydney bis Bueonos Aires. Das war 1999/2000, als seine Freiheitliche Partei 27 Prozent der Stimmen bekam und die EU seine Regierungsbeteiligung derart fürchtete, dass man österreichischen Politikern nicht mehr die Hand gab.

Nun muss er sich fragen lassen, was ihn von HC Strache (der ein Wählerpotenzial von bis zu 20 Prozent hat) unterscheidet. Seine Antwort: Er sei älter und reifer, regierungserfahrener. „Ich bin ja einer der dienstältesten Politiker“. Das, was er vor 20 Jahren einen „Altpolitiker“ genannt hätte. „Sie sind ja noch so jung, damals waren Sie noch gar nicht auf der Welt“, hat er mir immer wieder erklärt. Aha. Milan Kundera hat einmal sinngemäß geschrieben, dass längere geistige Aufenthalte in der Vergangenheit ein untrügliches Indiz für Vergreisung seien.

Nur zur Klarstellung: Haider hat natürlich eine gut geölte Wahlkampfmaschine, er ist natürlich immer noch einer der eloquentesten, selbstmotivationsfähigsten Politiker der Landes und spricht immer noch viele Menschen an. Natürlich wird er mehr als vier Prozent bei der Nationalratswahl bekommen und wahrscheinlich werden es mehr als 40 Prozent bei der Kärntner Landtagswahl sein, kann sein, dass er dabei seinen größten Triumph einfährt. Aber es wird sein letzer sein – diesmal wirklich. Und in fünf, sechs Jahren, wenn ihm die Droge Politik altersbedingt unerschwinglich wird, wird er sich fragen, was er eigentlich in seinem Leben erreicht hat.

Und jetzt genug von Haider.

PS: Abschiedswalzer von Milan Kundera ist ein geniales Buch!

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