Ich habe kein großes Mitleid mit Andreas Unterberger – auch wenn mich die Art und Weise seiner Dienstfreistellung befremdet.
Zuallererst wahrgenommen habe ich ihn vor Jahren als Chefredakteur der Presse, besonders negativ erinnerlich aus dieser Zeit ist mir eine persönliche Herabwürdigung der Grünen Behindertensprecherin Theresia Haidlmayr in einem Kommentar der ungefähr 2000/2001 erschienen sein muss.
Unterberger war das zweifellos eloquente qualitätsjournalistische Sprachrohr der schwarz-blauen Regierung. Das war aus Sicht der Meinungsvielfalt (die damalige Regierung musste heftigen publizistischen Gegenwind gewärtigen) interessant. Letztlich hält sich der Erkenntnisgewinn aus regierungsgenehmen Zeitungen aber in Grenzen.
2005 wurde Unterberger durch Styria-Chef Horst Pirker – den man nicht zum linken Mainstream rechnen kann – abgelöst. Sein Nachfolger wurde Michael Fleischhacker, auch kein gehätscheltes Liebkind von Rot-Grün.
Unterberger, der als bekennender Wirtschaftsliberaler mit Verve gegen staatliche Beteiligungen wetterte und wettert, wurde umgehend Chefredakteur der hoch subventionierten, staatseigenen Wiener Zeitung, die sich über Zwangs-Inserate von Wirtschaftstreibenden finanziert. Eines Mediums, das damals unter der Fuchtel des von Unterberger hoch gepriesenen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel stand.
Vier Jahre später weht ein andere Wind, am Ballhausplatz sitzt mit Werner Faymann ein Sozialdemokrat. Einer zumal, der deutlich weniger Selbstbewusstsein besitzt als sein Vorgänger Alfred Gusenbauer. Dieser Werner Faymann, der sich den Applaus heimischer Boulevardblätter mit üppigen Inseratenaufträgen sichert, will offenkundig keine Misstöne in einer ihm unterstellten Zeitung entdecken. Unterberger muss weg. Das sollte man als Normalsterblicher, das muss man jedenfalls als Journalist verurteilen. Letztlich aber ist Unterberger Opfer eines politischen Klüngel-Systems geworden, von dem zu profitieren er keinerlei Skrupel hatte, als der von ihm jetzt bitter beklagte Mainstream noch sein Mainstream war.
Ich denke, Unterberger sollte seine Ablöse – die (wie hinterfotzig!) ganz neoliberal mit dem Leistungsprinzip gerechtfertigt wurde – sportlich sehen. Und verlinke gerne auf sein Weblog, den er nun als (finanziell) unabhängiger Kommentator des Zeitgeschehens auf eigene Verantwortung betreibt.
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